Reisen gehört zu meinen Liebhabereien. Reisen ist für mich Inspiration, Reisen ist Abenteuer. Mein Freund und ich sind wahre Weltenbummler. Heute hier, morgen dort. Nun haben wir uns entschieden in ein Land zu reisen, um dort zu leben. Hola México. Reisen wird zu Leben. Reisen wird zum Aufbruch, aber gleichzeitig auch zum Ankommen. Was für eine Reise es doch bis dahin war….
Was bedeutet es für mich zu reisen? Ein Begriff mit dem ich mich gerade in letzter Zeit stark auseinander gesetzt habe. Sind wir doch alle irgendwie „Reisende“. Ich erinnere mich gerne an meine erste große Reise alleine zurück. Ich war 19 und es ging ein halbes Jahr nach New York & LA. Ach, was war ich aufgeregt in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu gehen. Einen Koffer voll mit Sehnsüchten und Erwartungen. Mutig, bereit und offen jeden Tag das Abenteuer des Lebens zu erleben. Die Leichtigkeit von damals rufe ich mir gerne immer wieder ins Gedächtnis und zehre noch heute von ihr. Alles ist möglich.
Wer bin ich auf dieser Reise geworden? Vielleicht ein bisschen Größenwahnsinnig, aber auf jeden Fall habe ich behalten groß zu träumen. Mitgenommen habe ich, dass ich die Berge ganz schrecklich vermisst habe und das ein wenig bayerische Bodenhaftung mir auch ganz gut tut.
Ganz anders verlief dagegen mein Auslandsemester im Bachelor in Mailand. War es eine Reise oder war es eine Flucht? Auf jeden Fall war es ein zerrissen sein, aber auch ein wenig „dolce vita“. Die Früchte des Lebens sind eben nicht immer nur süß, jedenfalls durch die Bitteren habe ich den Geschmack der Süßen zu schätzen gelernt. Das Leben besteht aus Kontrasten, aus Dualität. Wie meine Lieblings-Chefin immer so schön sagt: „You can’t have the one without the other“. Und ist es nicht faszinierend, dass gerade gegensätzliche Farben eine so tiefe Verbindung miteinander bilden und dennoch immer harmonisch wirken; Seite an Seite. Schließlich habe ich gelernt Schmerz zuzulassen.
Wieder ungewöhnlich war die monatelange Reise durch Asien in meinen letzten Semesterferien im Master. Ich habe auf Bali meinen Yogalehrer-Schein gemacht und dies war eher eine sanfte, spirituelle Reise mit sehr schönen Begegnungen. Eine Fahrt voller Wunder und Heilung. Ich speichere jede Tour mit Farben und Gerüchen ab. Diese Zeit war erdig, gelb-orange und duftet nach der Insel der Wasser-Götter. Wie also prägen uns Reisen? Was geschieht mit uns? Irgendwie ist beim Reisen doch vieles ungewiss, aber irgendwie stehe ich auch genau darauf. Man wird aus seiner Komfortzone geschleudert und wächst. Das Wort reisen kommt übrigens vom gemeingermanischen Verb: *reis-a- „sich erheben“, „aufsteigen“. Oja, das mag ich.
Meine letzte lange Reise war mit meinem Freund 2021 nach Südafrika. Drei Monate durften wir in die kunterbunte Kultur Afrikas eintauchen. Wir haben neue Tier- und Pflanzenarten kennengelernt, neue Freundschaften geschlossen und ich glaube jedes Wine-Tasting und Fine Dining rund um Kapstadt mitgemacht. Capetown wird für mich immer einen besonderen Platz im Herzen haben, weil wir uns dort entschlossen haben zusammen zu ziehen und weiter gemeinsam als Liebende durch die Welt zu tanzen. Dieser Trip war zudem super sportlich und schmeckt für mich nach purer Liebe, Geborgenheit und fantastischem Essen.
Wie traurig der Abschied von München doch jetzt auch war, desto größer wird bestimmt die Freude bei einem Wiedersehen sein. Ich habe das Glück ganz viele wunderbare Freundinnen zu haben, die mir beim Abschied Journals geschenkt haben, in denen ich meine Gedanken und Eindrücke dieser Reise festhalten kann. Also teile ich meine ersten heute mit euch. „Die Heimat des Abenteuers ist die Fremde.“( ~ Emil Gött). Ich freue mich schon sehr auf all das was da noch so kommt. Trotzdem ist diese Reise ein wenig anders. Es gibt nicht in den nächsten Monaten ein Rückflugticket. Es ist ein Umzug – into the blue. Irgendwie magisch. Denn wie Hermann Hesse schon so kraftvoll geschrieben hat, „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…“. Mein Herz hüpft, aber ich habe auch ein mulmiges Gefühl. Ich bin gespannt was wir erleben und wann und wie wir zurückkommen werden, wobei ich schon beim schreiben dieser Zeilen mich frage wo „zurück“ denn eigentlich wirklich ist.
Hugs from Mexico – I am following the sun